Wohnung aufräumen – wo anfangen?

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Ich hatte ein Telefonat mit einer jungen Freundin, die mir ihr Leid in Corona-Zeiten klagte. „Immer liegt alles herum, nie ist die Wohnung aufgeräumt, ständig muss ich den Tisch abräumen, dass ich daran arbeiten kann. Weil wir alle zuhause sind, ist es überall dreckig. Ich brauche ein System, ich weiß nicht, wie und wo ich anfangen soll. Und ganz grässlich – nie haben wir eine schöne Atmosphäre zum Essen.“

Ich habe das gegoogelt, das Problem haben viele:
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So findest Du fix Dein Thema:

Eigene Maßstäbe setzen

Du willst die Wohnung putzen, dumm nur – bevor Du überhaupt mit Putzeimer und Lappen loslegen kannst, musst Du erst Ordnung machen. Aber es gibt keine genormte Ordnung. Die einen mögen es nüchtern und lassen alles in Schränken und Schubkästen verschwinden, und andere – wozu ich mich auch zähle – mögen ein Umfeld, in dem das Alltagsleben erkennbar ist.

Kläre auch mit Deiner Familie, wie das Zuhause sein soll, wo jeder gerne lebt, arbeitet, relaxt, isst und schläft. Was pubertierende Jugendliche schon als bedrohende Ordnung ansehen, ist für andere immer noch hart am Rande des Chaos.

Steckt gemeinsam Bereiche ab und definiert, was jeder von Euch darunter versteht.
Beispielsweise:

  • Küche und Bad: Ordnungs- und Sauberkeitsstufe 1, (wo auch jeder seine Putz-und Ordnungsanteile hat)
  • Schlaf- und Kinderzimmer – jeder wie er will –
  • und Wohn-, Essbereich muss ausgehandelt werden.


Und das ist EUER Ordnungs- und Sauberkeitslevel. Ob Schwiegermutter oder die beste Freundin das auch so sehen, kann Euch dann egal sein.

Am Anfang war die Unordnung

Oder bist Du schon in der Chaos-Phase? Wo ist der Unterschied?

  • Bei Unordnung liegen die Dinge nicht an ihrem Platz
  • Bei Chaos haben die Dinge keinen Platz


Du kennst das? Du hast etwas in der Hand und weißt beim besten Willen nicht, wo Du das hintun sollst. Und was machst Du – Du packst es in genau die Schublade, den Schrank wo ohnehin schon zu viel drin ist – und das was eigentlich dort hineingehört, hat ganz bald auch keinen Platz mehr. Nur, wenn alle Dinge, die herumliegen, einen festen Platz haben, ist ruck-zuck aufgeräumt. Andernfalls beginnt das tägliche Chaos.

Dann mal los. Gib Deinen Dingen ein Zuhause.

Sortiere erst mal Deinen vorhandenen Stauraum – Schränke, Regale, Schubladen, Behälter. Oft wird nicht aufgeräumt, weil „der Platz“ schlecht erreichbar ist, umständlich zu nutzen oder gar nicht vorhanden. Du weißt es eigentlich: Die Menge an Sachen, die aufgeräumt werden müssen, entsprechen nicht dem Volumen, das Dir zur Verfügung steht. Du musst Dich entscheiden:

Mehr Platz für Deine Sachen oder weniger Sachen für Deinen Platz

Daran führt kein, wirklich gar kein Weg vorbei. Aber nimm Dir nicht zu viel auf einmal vor.
Gut finde ich, erst mal zu klären, mit welchen Typen man im Haushalt zusammenlebt und welcher Typ bin ich denn selber?

Kann-man-noch-mal-gebrauchen-Typ
Vor ihnen ist nichts sicher. Vom Drahtkleiderbügel aus der Reinigung bis zum Rest an Geschenkband – egal wie kurz oder verkrumpelt es ist, um es wiederzuverwenden. Nichts wird entsorgt. Zeitschriften werden ebenso aufbewahrt wie defekte Geräte. Da hilft nur, sich mal im Internet umzuschauen, was denn die Wiederbeschaffung kosten könnte, falls man etwas wegwirft, was irgendwann tatsächlich noch mal gebraucht wird. Diese Kosten-Nutzen-Rechnung kann auch den Hardcore-Horter überzeugen.

Das-muss-man-aufbewahren-Typ
Die niedliche Kinderzeichnung, die Ansichtskarte aus dem Ferienlager, Schulhefte, Flohmarkt-Funde, die zu nichts passen, absolut nutzlose Stehrumchen-Geschenke …. Der tolle Mantel, aber längst zu klein … eine Sammlung an Kugelschreibern und Filzstiften? Wie wäre es denn mit dem Klasse-statt-Masse-Prinzip? Das beste Teil überlebt bei Dir – der Rest kommt weg.

Was hat wirklichen, emotionalen Wert? Die ersten Zeichnungen der Kinder, Karten, Briefe etc. Manches hat Ewigkeitswert, aber vieles lässt sich mit jedem Smartphone in guter Qualität einscannen. Auch so ist das Teil für die Ewigkeit aufbewahrt. Genauso die Andenken und der liebenswerte Tinnef von Tante Lisbeth etc. Nettes Foto davon, oder auch mehrere, und passende Titel fürs Bild – und weg damit. Verschenken, vielleicht verkaufen oder auch einfach in den Müll. Nicht zu viel Zeit dafür verschwenden.

Das-muss-ich-demnächst-machen-Typ
Direkter gesagt: Die Aufschiebe-Typen, die erst mal alles „irgendwo“ ablegen, um es dann später zu versorgen, zu erledigen. Da sind dann auch wichtige Dokumente dabei oder Rechnungen, die sich irgendwo verkrümeln. Was dann wieder Zeit kostet, die Dinge auf die Reihe zu bringen.

An diversen Ecken liegen angefangene Handarbeiten, DIY-Projekte. Natürlich wird damit in nächster Zeit und ganz bald weitergemacht – „… sobald …“ Das Schlimme, sie glauben selber daran. Das kommt Dir bekannt vor? Da hilft es nur, mit Terminen und Prioritäten zu arbeiten und das Wort „nein“ in den aktiven Sprachschatz aufzunehmen.

Der-100-Prozent-Typ
Nur was zu 100% gelungen ist, ist gut gelungen. So der Glaubenssatz. Damit ist jede Sache zu 100% zum Scheitern verurteilt. Der Perfektionist will immer das ganze Umfeld in einer Aktion vollkommen in Ordnung bringen. Das geht nicht? Logisch – und deshalb fängt dieser Typ gar nicht erst an. Erst wenn die Erkenntnis dämmert, dass man schon mit kleinem Aufwand ganz gute Ergebnisse erzielen kann, ist Hoffnung in Sicht.

Einfach mal mit dem Bereich beginnen, der die den geringsten Aufwand macht, und sich dann nach und nach an größere Aufgaben wagen.

Erster Schritt geschafft!
Du hast Dich erkannt und weißt, welche Hot Spots sich in Deinem Zuhause breit machen. 

Finde die Krisenherde, wo sich Dein „Zuviel“ regelmäßig trifft

Ist es die überfüllte Garderobe? Zu viele Schuhe für zu wenig Schuhregal? Hier geht es nicht darum, den Wintermantel wegzugeben – aber im Sommer hat er an der Garderobe einfach nix zu suchen und der Bademantel gehört dort auch nicht hin – nicht mal für ganz kurze Zeit.
Schau Dir an, was Du tatsächlich regelmäßig nutzt, alles andere kommt an seinen Platz – hier, am Krisenherd, ist es eindeutig „fehl am Platz“.

Such Dir die die nächste Bombe, die gleich hochgehen kann – in der Küche, im Bad, im Schlafzimmer … Gleiches Prinzip. Was nicht akut gebraucht wird, kommt an seinen Platz.
Wie sagte meine Oma: „Jedes Ding an seinen Ort, erspart viel Zeit und böse Wort.“

Wie isst man einen Elefanten?
Noch so ein Zitat aus der Familie – das stammt von meinem Mann. Die Antwort heißt: Scheibchenweise. Auch Salamitaktik genannt. Gewinne in kleinen Stücken Deinen Wohn- und Lebensraum wieder zurück. Am besten geht das mit einem großen Müllsack und einer Kunststoff-Box oder einem Waschkorb. Starte mit der schlimmsten Chaos-Ecke. Was dort bleiben kann oder muss, bleibt liegen, was nicht, wird entweder gleich weggeräumt, wenn der Platz in der Nähe ist. Ansonsten in die Box oder in den Müllsack. Einfach die Stöße an Büchern und Zeitschriften hübsch aufeinanderzustapeln, gilt übrigens nicht als „aufräumen“. 😉

Bleib dran, gehe von Krisenherd zu Krisenherd und entsorge, sortiere, räume auf. Überall. Denn das Chaos ist so ansteckend wie Corona. Danach hast Du den Müll im Sack, ein Teil der Sachen haben ihren Platz gefunden und in der Wanne/Box hat sich eine Anzahl Dinge angesammelt, die platz- und herrenlos durch deine Wohnung geistern. Dafür musst Du Platz schaffen oder noch mal eine Selektions-Runde starten. Das klingt bitter und kostet Dich jetzt Zeit – aber nur so schaffst Du Dir den Freiraum in der Zukunft. Und Du bewahrst Dich vor künftigen Fehlkäufen („Muss ich das jetzt wirklich kaufen, was muss dafür weg …?“)

Ja, ich weiß, dass es schwer ist, bestimmte Sachen wegzugeben.

Von Hape Kerkeling gibt es dazu einen guten Satz:
Loslassen gehört zum Leben. Man kann nicht nur einatmen – man muss auch ausatmen.

Du musst es ja nicht übertreiben, Du musst lediglich die Balance in Deinem Zuhause finden. Ich bin immer für eine Alternative zum „einfach Wegschmeißen“. Ich suche eher die schöne, die wertschätzende Aufbewahrung. Das ist aber kein Freibrief, alles mit allem aufzuheben.

Für die ganz sentimentalen Dinge – die müssen weder sinnvoll sein, noch im Dauergebrauch – für die steht es Dir doch frei, einfach einen Extraplatz zu reservieren. Da kommt all das rein, das ein Stück Deines Seelenlebens ist.

Es geht wirklich nicht um Minimalismus, die meisten von uns haben auch mehr Platz als in einer Durchschnittswohnung in Tokio. Es geht nur darum, die Dinge an einem festen Platz in Griffweite zu haben, die wirklich wichtig sind, statt sie ständig aus nutzlosem Krempel herauszusuchen.

Du bist überzeugt, dass Du neue/mehr Aufbewahrungs-Systeme brauchst? Bitte wohlüberlegt einkaufen. Denn Du weißt erst, wenn Du ausgemistet hast, was Dir hilft, Ordnung zu halten.

  • ERST Aufräumen
  • DANN einkaufen


Vor dem Einkauf klären:

  • unbedingt ausmessen, wieviel Platz Dir zur Verfügung steht
  • kläre, ob Du offene oder geschlossene Behälter brauchst
  • entscheide, ob Behälter transparent sind oder nicht (undurchsichtig = beschriften!)


Loslassen, aber mit Wecker!
Die Dinge die ihren Platz noch suchen, musst Du nicht an einem Tag aufräumen. Aber arbeite daran –  im regelmäßigen Rhythmus. Wie isst man einen Elefanten … 😉

Für solche fiesen Aufgaben nehme ich meinen Kurzzeitwecker – es geht auch der Timer im Smartphone. 30 Minuten gebe ich mir dafür Zeit. Das hat den Vorteil, dass ich weiß, es dauert nicht „ewig“ und ich weiß, ich muss mich sputen, darf mich nicht endlos mit Details aufhalten, damit ich was geschafft bekomme.

Bleib dran, die Altlasten zu beseitigen. Weil alles andere seinen Platz hat, kannst Du ab jetzt ratz-fatz Dein Zuhause regelmäßig (!) aufräumen ohne neue Krisenherde entstehen zu lassen.

Sortiere nach dem Prinzip: Gleiches zu Gleichem.

Das hat den großen Vorteil: Du brauchst rosa Nagellack? Ist nicht in der Schublade? Dann ist keiner da. Das spart Dir die Zeit, nochmal im Nachtkästchen oder… oder … zu suchen.

Mit dieser Grundordnung hast Du die Voraussetzung geschaffen, mit der Du mindestens EIN mal pro Woche durch Dein Zuhause gehst. Mit Box und Müllsack. Das Prinzip bleibt gleich, aber Du wirst sehen, die Mengen reduzieren sich.

Was macht eigentlich der Rest der Mitbewohner?
Das Prinzip lässt sich delegieren. So können auch Kinderzimmer, Werkstatt, Keller, Garage  aufgeräumt werden. Eine amerikanische Studie zeigt übrigens auf: Nur 30% nutzen ihre Garage für’s Auto. 😉

Kontrolliere aber den Müllsack aus dem Kinderzimmer. Es soll Jugendliche geben, die ihre Kleidung lieber in die Wäsche packen, statt sie in den Schrank zurückzuhängen. So wandert auch schnell etwas in den Müll, für das man einfach keinen Platz finden mag.

HILFE! HILFE!

Ja, Du kannst Dir auch Hilfe holen. Für schwere Fälle kannst Du Dir jemand suchen, der professionell mit Dir aufräumt und Dir eine Struktur einrichtet. Oder es gibt Online-Kurse im Internet. Oder Du suchst unter den zahlreichen Büchern genau das aus, das für Dich passt.

Ich bin ja eher der „mach’s-selber-Typ“, weil ich mich nicht mit und bei anderen „Unaufgeräumten“ ausheulen möchte, was ich alles nicht kann. Ich habe auch keine Lust auf „Gurus“, wo ich mich von meinen überflüssigen Dosenöffner erst „verabschieden“ muss, bevor ich ihn entsorgen darf. Aber jeder, so wie es für ihn passt.

Hauptsache, Du packst an.

Danach bist Du richtig in Putzlaune?

Ich bin der festen Überzeugung, dass Hauswirtschaft keine Raketenwissenschaft ist. Mit dem richtigen „gewusst wie“ lässt sich das nervenschonend erledigen. In meinen beiden Links findest Du Tipps, wie Du Dir das Leben beim Frühjahrsputz leichter machen kannst.


https://www.welt.de/vermischtes/article163210276/So-putzen-Sie-Ihre-Wohnung-wie-ein-Profi.html
https://www.haus.de/leben/putzplan-so-bleiben-haus-und-wohnung-sauber